Antrag: Plastikarmes Gehrden

Vermeidung und Minimierung von Plastik in der Stadtverwaltung von Gehrden

Die Gruppe Grüne/ Linke beauftragt die Stadtverwaltung, sich für die Schaffung einer plastikarmen Kommune einzusetzen. Damit übernimmt die Stadt eine Vorbildfunktion

Im Zuge einer Nachhaltigkeitsstrategie wird die Stadt Gehrden mit ihren Liegenschaften:

a) auf vermeidbare Kunststoffprodukte durch nachhaltiges Beschaffungswesen verzichten und durch plastikfreie Alternativen (sofern vorhanden) ersetzen;

b) bei Neuanschaffungen die plastikfreie Alternative (sofern vorhanden) erwerben;

c) auf Kunststoffprodukte, die für den einmaligen Gebrauch bestimmt sind, verzichten und

d) bei stadteigenen Veranstaltungen auf Plastikprodukte -insbesondere Einwegprodukte- verzichten;

e) durch Informationen eine Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung bewirken.

Die Stadt Gehrden entwickelt, möglichst in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren (z.B. Schulen, Kindergärten, NABU), Strategien zur Vermeidung und Minimierung von Plastik im Stadtgebiet und informiert Gewerbebetriebe, Vereine, Privathaushalte und ggf. weitere Zielgruppen im Stadtgebiet über schädliche Folgen von Plastik und Plastikmüll für Natur, Umwelt und Menschen.

Die Stadt Gehrden unterstützt Bestrebungen der EU-Kommission, der Bundes- und Landesregierung zur Vermeidung von Plastikmüll für eine nachhaltige und ökologische Umsetzung entsprechender Nachhaltigkeitsziele und wird den Rat bzw. den Fachausschuss über entsprechende Aktivitäten informieren.

Begründung:

  • Mit 12,6 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land so viel Plastik wie Deutschland – Tendenz steigend! 3,6 Milliarden Plastiktüten werden in Deutschland jährlich verbraucht – mit einer Gebrauchsdauer von gerade einmal 25 Minuten! 25 Minuten Nutzung zu 10-20 Jahren Zersetzung.

Zersetzung von Kunststoffen

Die großen Stärken von Kunststoffen wie Stabilität, Persistenz und Inertie bilden für die Ökosysteme, die mit Plastikabfällen belastet werden, zugleich die größten Gefahren. Diese Faktoren behindern die Zersetzung bzw. den Abbau der Polymere und ebnen so den Weg für eine dauerhafte Einflussnahme von Kunststoffen auf die Umwelt. So kann laut Umweltbundesamt die Zersetzungszeit der Kunststoffe in Abhängigkeit von verschiedenen Umweltfaktoren bis zu 450 Jahre betragen, wobei selbst dann nicht von einem vollständigen Abbau gesprochen werden kann (umweltbundesamt.de).

Produkt

Abbauzeit

  

Produkt

Abbauzeit

Angelschnur
Wegwerfwindel
Plastikflasche
Aludose
Getränkedose
Styroporbecher
Schaumstoffboje
Plastiktüte

600 Jahre
450 Jahre
450 Jahre
200 Jahre
200 Jahre
50 Jahre
50 Jahre
10-20 Jahre

 

Zigarettenkippen
Wollsocken
Sperrholz
Baumwollshirt
Milchkarton
Pappkarton
Apfelgehäuse
Zeitung

1-5 Jahre
1-5 Jahre
1-3 Jahre
2-5 Monate
3 Monate
2 Monate
2 Monate
6 Wochen

  • Die Kunststoffabfallmenge hat sich in Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2015 auf ca. 5,92 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppelt!
  • Über sechs Millionen Tonnen Müll – das meiste davon Plastik – landet jedes Jahr im Meer! Gigantische Müllstrudel in den Weltmeeren von denen bereits einer viermal größer als Deutschland ist, haben sich gebildet;
  • Bestandteile von Mikroplastik wirken hormonell auf Mensch und Tier – die Folgen sind noch nicht absehbar;
  • Fische und Vögel verenden durch Plastik in ihren Mägen und Verwicklungen.

Diese und weitere, hier nicht genannten Fakten, verdeutlichen die Dimension des Plastikproblems.
Auch wenn der Rat der Stadt Gehrden das Plastikproblem nicht alleine lösen kann, haben wir alle doch die Verantwortung einen Beitrag zu leisten den Verbrauch von unnötigem Plastik auf ein Mindestmaß zu reduzieren. „Global denken, lokal handeln“ von der Agenda 21 bzw. Agenda 2030 kann als Handlungsleitlinie angewandt werden.

Gehrden 02.02.2019

Download des Antrages: 2019-02-02 Plastikarmes Gehrden

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